Röteln erkennen: Symptome, Diagnose und Impfschutz

Röteln sind eine Virusinfektion, die bei den meisten Menschen mild verläuft, aber für Schwangere und ungeborene Kinder schwerwiegende Folgen haben kann. Das Rötelnvirus gehört zur Familie der Togaviridae und wird über Tröpfcheninfektion oder direkten Kontakt mit Atemwegssekreten übertragen. Der Mensch ist der einzige bekannte Wirt.

Übertragung und Inkubationszeit

Das Virus vermehrt sich zunächst in den Zellen der Atemwege, breitet sich dann über die lokalen Lymphknoten aus und gelangt schließlich über das Blut in weitere Organe. Die durchschnittliche Inkubationszeit beträgt 17 Tage, kann aber zwischen 12 und 23 Tagen schwanken. Infizierte Personen sind am ansteckendsten, wenn der Hautausschlag auftritt, können das Virus aber bereits 7 Tage vor bis 7 Tage nach dem Erscheinen des Ausschlags weitergeben.

Typische Symptome

Röteln verlaufen oft erstaunlich mild. Die Erkrankung zeigt sich durch einen leichten, fleckigen Hautausschlag, geschwollene Lymphknoten und leichtes Fieber. Der Ausschlag beginnt typischerweise im Gesicht, breitet sich innerhalb von 24 Stunden auf den restlichen Körper aus und hält im Schnitt drei Tage an. Allerdings entwickeln nur 50 bis 80 Prozent der Infizierten überhaupt einen sichtbaren Ausschlag.

Geschwollene Lymphknoten sind oft das erste Anzeichen und können dem Ausschlag vorausgehen. Besonders betroffen sind die Lymphknoten hinter den Ohren und am Hinterkopf. Die Schwellung hält zwischen 5 und 8 Tagen an. Bei Erwachsenen, vor allem bei Frauen, können zusätzlich Gelenkschmerzen auftreten.

Röteln in der Schwangerschaft

Die eigentliche Gefahr der Röteln liegt in der Übertragung von der Mutter auf das ungeborene Kind über die Plazenta. Das Risiko für schwere Geburtsfehler hängt stark vom Zeitpunkt der Infektion ab: In den ersten 12 Schwangerschaftswochen treten bei bis zu 85 Prozent der Neugeborenen angeborene Schäden auf. Zwischen der 13. und 16. Woche sinkt das Risiko auf etwa 50 Prozent, in der zweiten Hälfte des zweiten Trimesters auf rund 25 Prozent.

Die sogenannte Rötelnembryopathie (kongenitales Rötelnsyndrom) umfasst drei klassische Schädigungen: Herzfehler, Hörschäden durch Schädigung des Innenohrs und Augenfehlbildungen wie den Grauen Star. Darüber hinaus können neurologische Probleme auftreten, darunter ein zu kleiner Schädel, Hirnverkalkungen und Verhaltensstörungen. Auch Blutbildveränderungen, ein niedriges Geburtsgewicht und Organvergrößerungen von Leber und Milz gehören zu den möglichen Folgen. Einige Spätfolgen wie Diabetes Typ 1 oder Schilddrüsenerkrankungen zeigen sich erst Jahre nach der Geburt.

Diagnose durch Bluttest

Da die Symptome unspezifisch sind, wird eine Röteln-Infektion über einen Bluttest bestätigt. Dabei werden zwei Arten von Antikörpern untersucht:

  • IgM-Antikörper bilden sich kurz nach einer frischen Infektion und bleiben bis zu drei Monate nachweisbar. Ein positiver IgM-Befund in den ersten Tagen nach Auftreten des Ausschlags spricht für eine aktuelle Infektion.
  • IgG-Antikörper werden ab dem vierten Tag nach dem Ausschlag messbar, erreichen ihren Höchststand nach ein bis zwei Wochen und können ein Leben lang bestehen bleiben. Sie zeigen an, ob ein Immunschutz vorhanden ist, entweder durch eine frühere Infektion oder durch Impfung.

Um zwischen einer kürzlich erfolgten Infektion und einem älteren Immunschutz zu unterscheiden, kann die sogenannte Avidität der IgG-Antikörper bestimmt werden. Eine niedrige Avidität deutet auf eine Infektion innerhalb der letzten vier Monate hin, eine hohe Avidität auf einen weiter zurückliegenden Kontakt mit dem Virus.

Impfschutz und Planung einer Schwangerschaft

Die wirksamste Vorbeugung ist die Impfung, die in der Regel als Kombinationsimpfstoff gegen Masern, Mumps und Röteln (MMR) verabreicht wird. Zwei Dosen bieten einen Schutz von etwa 97 Prozent. Bereits eine einzelne Dosis schützt zu rund 93 Prozent.

Frauen im gebärfähigen Alter, die keinen ausreichenden Röteln-Schutz haben, sollten sich vor einer geplanten Schwangerschaft impfen lassen. Da es sich um einen Lebendimpfstoff handelt, wird empfohlen, nach der MMR-Impfung mindestens vier Wochen mit einer Empfängnis zu warten. Während der Schwangerschaft selbst darf nicht geimpft werden.

Globale Verbreitung und Elimination

Dank weltweiter Impfprogramme sind die Rötelnfälle zwischen 2000 und 2022 um 97 Prozent zurückgegangen: von rund 670.900 gemeldeten Fällen in 102 Ländern auf etwa 17.900 Fälle in 78 Ländern. Vier WHO-Regionen haben sich zum Ziel gesetzt, die Röteln vollständig zu eliminieren. Die Region Amerika war 2015 die erste weltweit, die als frei von endemischer Rötelnübertragung erklärt wurde.

In Ländern mit hoher Impfquote sind Röteln selten geworden. Einzelne Ausbrüche treten jedoch weiterhin dort auf, wo Impflücken bestehen. Gerade weil die Erkrankung bei den meisten Menschen so mild verläuft, wird sie leicht unterschätzt. Das eigentliche Risiko betrifft ungeschützte Schwangere und ihre ungeborenen Kinder, weshalb die Überprüfung des Impfstatus vor einer geplanten Schwangerschaft besonders wichtig ist.